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Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#1 von volvospeed , 05.12.2017 05:27

Hallo zusammen,

es gibt mal wieder einen kleinen, aber dennoch interessanten Umbaubericht. Um ein wenig Abwechslung zu Innenbeleuchtung und rückmeldefähigen Achsen zu bekommen, schob ich mal noch ein kleines Projekt dazwischen.

Genauer gesagt handelt es sich um einen sehr alten Fleischmann Schienenbus Nr. 4400, oder VT 798. Dieses Modell gibt es schon seit gut 50 Jahren und es wurden Herstellerseitig eigentlich nur kleine Veränderungen im Laufe der Jahre gemacht, bis er igrendwann um 2000 aus dem Programm genommen wurde. Dieses Modell hier hab ich aber seit meinem 6.ten Lebensjahr, also 39 Jahre ist das gute Stück schon in meinem Besitz.

Was habe ich vor ? Nun, da ich keine Analogbahn mehr habe, ich aber das gute Stück nochmal Fahren sehen möchte, dachte ich mir moderne Technik, alte Hütte.

Hier mal das gute Stück, noch werksmäßig. Optisch noch in Schuß, technisch leider nicht mehr so tolle Fahreigenschaften.
Milchglasfenster, Lampenringe nicht lackiert, eben, wie ds damals so war. Trotzdem finde ich, ist es ein wunderschönes Modell vor allem wenn man bedenkt wie alt es schon ist.



Leider gibt es dazu einige Hürden zu meistern.
1. Der Motor ist nicht Potentialfrei. Ein neues Lagerschild gibt es kaum und wenn dann um die 25 Euro aufwärts.
2. Die viel zu breiten Radsätze. Werksmäßig gibt es keine anderen, zudem hat Fleischmann inzwischen nicht mal mehr Ersatzteile dafür.
Einen Radsatz einer anderen Lok geht hier auch nicht, aufgrund des Antriebszahnrad, welches direkt hinterm Rad angegossen ist.

Zuerst kümmere ich mich um den Motor, den wenn der nicht läuft, macht alles andere keinen Sinn. In meiner Vorratskiste habe ich noch mehrere Lagerschilder von ausgeschlachteten Modellen. Eines davon wird nun als Ersatzteilspender benutzt.

Links im Bild, das Original Lagerschild aus dem Schienenbus. Oben das bereits ausgeschlachtetes Teil aus der Bastelkiste und rechts das bereits modifizierte und zum Einbau bereite neue Lagerschild.
Von einem alten Lagerschild brauchen wir den Kohlehalter, sowie ein Teil des Plastikteils, welcher zur Isolierung benötigt wird. Die Hülse kann man mit einer Rundzange vorsichtig herausziehen. Mit einem Watenfreien Seitenschneider trennt man das benötigte Weichplastikteil heraus.



Von der Seite gesehen, muß das linke Loch auf 5mm aufgebohrt und verputzt werden. Da ursprüngliche Büchse stellte hier den Massekontakt her, was für jeden Dekoder tödlich enden könnte! Das wollen wir aber nun ja nicht mehr! Das herausgeschnittene Plastikteil wird hier eingesetzt und mit Industriesekundenkleber gesichert. Dannach wird die Hülse eingepresst. Eine Standbohrmaschine leistet hier gute Hilfe, um die Hülse mitsamt einer Lotfahne für den Motoranschluß auch gerade einpressen zu können. Das ist wichtig, damit sich die Kohle später nicht unregelmäßig abfährt.



Von der Vorderseite sieht das nun so aus. Man könnte meinen es sei ein normales Motorschild, nur beim genauen Betrachten sieht man den Schnitt im hellen Plastik. Hülsen und Ankerlager werden nun gründlich gereinigt. Dannach ist das Motorschild einbaufertig.



Ein Grund warum dieser Motor nicht lief, war eine fehlende Glimmerscheibe. Das Teil geht leider sehr schnell verloren. Macht aber nichts denn man kann es sich sehr leicht selbst herstellen. Ein Stück Klarsicht von einer Heki Verpackung dient als Teilespender. Aus dem Klarsicht schnipsel ich mir eine kleine Ecke heraus und stanze ein 1,5mm Loch. Dannach wirds mit einer Schere rund geschnitten, ähnlich einer Unterlegscheibe. Ohne diese Scheibe gibt es Kurzschlüsse.



Diese Glimmerscheibe wird dann auf die Ankerwelle gesteckt und der Motor kann nach gründlicher Reinigung zusammen gebaut werden. Fürs Bild hab ich die Scheibe einfach nur mal ohne Reinigung aufgesteckt. Hier sieht man schön welche Ablagerungen ein Motor nach Jahren haben kann. Nach gründlicher Reinigung der gesamten Bauteile, erfolgt der Zusammenbau .... das kennt Ihr ja, wie das geht.



Von Werk aus besaß der Schienenbus schon sehr früh Lichtwechsel. Realisiert mittels 2 Glühbirnen ( je Seite ) und Dioden. Die entfallen bei meinem Umbau, stattdessen kommen Led´s zum Einsatz. Hier bereits die zusammengelötete Variante meinerseits. Glühlampen nebst Halter werden ausgebaut, die Led´s eingesteckt und mit einem Tropfen Gelförmigen Sekundenkleber gesichert. Die Rückseite wird dann noch schwarz abgedunkelt. Hiervon hab ich keine Bilder gemacht. Die Led´s müssen nur noch entsprechend am Dekoder angelötet werden. In dem Fall kommt ein übriggebliebener Lenz Standard V2 zum Einsatz.



Leider hab ich es versäumt Bilder zu machen, als ich die Radsätze auf meiner Drehbank abdrehte. Die Radauflagefläche beträgt nun nur noch 1,7mm, statt 2,5mm. Bei Gelegenheit reiche ich da mal Bilder nach, wenn ich wieder sows mache. Sorry.

Nachdem die Technik wieder zusammengebaut und der Dekoder eingelötet, sowie eine Grundkonfiguration erstellt wurde, war die technische Seite nun fertig und ich konnte mich dem Aufbau widmen. Während ich mich darum kümmerte, ließ ich den Motor einlaufen und es wurde wie bei mir üblich das Fahrzeug im 15 Punkte Meßverfahren in WDP eingepflegt.

Zur Optik, klar ein Scale Modell wird es natürlich nicht, aber man kann mit einfachen Mitteln die Optik deutlich steigern.

Zuerst baute ich die Cellonscheiben ( Milchglasoptik ) aus, legte sie wieder auf die Klarsichtverpackung und übertrug die Umrisse mittels einer Nadel auf letzere. Dannach ausgeschnitten und am Fahrzeug nochmals fein angepaßt. Die neuen Scheiben wieder zur Seite gelegt, lackiert ich nun alle Fenstergummis in Mattschwarz. Durch die schwarze Farbe wirkt die Karosse auch nicht mehr so dick. Mit Chromsilber färbte ich die Lampenringe ein, und mit weiteren Farben hob ich noch einige andere Details hervor. Die im Innenraum hervorstehenden Kabel, Dekoder Schrauben etc. färbte ich komplett mattschwarz, so das sie später nicht mehr so auffallen. Die Scheibenwischer habe ich mit einem Teppichmesser vorsichtig ins Klarsichtmaterial ritzt.

Hier mal die unlackierten Scheibenrahmen links ( werksmäßig ) und rechts die nachbehandelten..



Hier mal Details

Fahrwerk und Aufbau dezent patiniert. Auspuff und Krümmeranlage des Büssing Unterflurmotors etwas angerostet.



Und hier mal frisch vom AW, Triebwagen vorraus
Die Technik ist komplett überholt und auf neustem Stand. Sogar die Kupplungen habe ich ausgetauscht und es befindet sich nun je Seite ein Normschacht mit Adapter für höhenjustierbare Kupplungen. Im Solobetrieb werden aber keine montiert, sondern nur bei Bedarf. Sieht auf jeden Fall besser aus, als gänzlich ohne.

Steuer- und Bremsschläuche hab ich in Glanzschwarz abgesetzt.



Lichtwechsel

Die Warmweißen Led´s machen sich richtig gut und brauchen weniger als die Hälfte. Schön zu erkennen die Chromfarbenen Lampenringe, die das Modell, wie auch die Scheibengummis deutlich aufwerten. Die Hörner hab ich mit mattschwarz für mehr Tiefenwirkung aufgepeppt



Steuerwagen vorraus



Ich bin mit dem Ergebnis auf jeden Fall zufrieden. Eventuell, bastele ich noch eine Inneneinrichtung und Innenbeleuchtung passend dazu.
Leider habe ich keine passenden Haftreifen mehr, so das die etwas verglasten harten alten gummis, noch ein bisschen herhalten müssen. Dies macht sich natürlich auch etwas im Fahrgeräusch bemerkbar. Aber ansonsten läuft er nach der Umbau wirklich sehr gut, besser auf jeden Fall als das Roco Modell. Mit unter macht sich hier meine ergänzte Allradstromabnahme ( 2 nagelneue Radsätze + 2 zusätzliche Schleifer im Steuerwagen und 1 zusätzlicher Schleifer und beide Radsätze abedreht und poliert im Motorwagen ) sehr gut. Der Lenz Dekoder kommt auch mit dem alten Fleischmann Motor recht gut zurecht.

Hier noch ein kleines Video


Mit freundlichen Grüßen von der oberen Nahe
Manuel

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RE: Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#2 von volvospeed , 06.12.2017 21:52

Hallo zusammen,

Weiter gehts mit dem Teil 2 des Schienenbusses. Es ließ mir keine Ruhe, nach der Recherche zum Orignal studierte ich einige Bilder und fing dann.

Aus Widerstandsdrahtenden bastelte ich zuerst die Schutzstangen im Gepäckraum. Damit es auf der Scheibe keine Kleberänder gibt, schmolz ich sie leicht mit einem Lötkolben ein. Selbe Spiel später auch bei den Scheibenwischer. Oben erkennt man noch eine Nase, die normalerweise für die Original Innenbeleuchtung Nr. 74 gedacht ist. Diese wurde ebenfalls vollständig entfernt.



Aus 1mm Polysterol erstellte ich die neue Inneneinrichtung. Während der Beiwagen kein Problem darstellt, ist es im Motorwagen aufgrund der alten Motor-/Getriebekonstruktion etwas aufwendiger.



In entsprechenden Farben lackiert, sah das Ganze schon recht gut aus. Charakteristisch sind die Griffbügel auf den Sitzen. Dafür hab ich mal wieder ein paar Widerstände geopfert und deren Draht dafür verwendet. Ist jedenfalls einfacher, als Messingdraht zu lackieren. Außerdem sieht der Draht eher wie Chrom aus, welcher mit Farbe nur schwer darzustelle ist. Im doppelten Boden ist nun die Elektronik versteckt.



Um die Vorhänge darstellen zu können, nahm ich ein Taschentuch und färbte es in Khaki. Nach dem trocknen wurde es in Stücker geschnitten und entsprechend hinter den Fenster angebracht.



Natürlich sollte der Schienenbus auch beleuchtet werden. Man hätte die Kabel zwar im Toilettenhäuschen hochführen können, allerdings hätte ich dann noch immer keine Befestigungspunkte für die Led´s gehabt. Aus dem Grund habe ich mir aus Messingdraht U Bügel gebogen und direkt hinter einem Fenstersteg befestigt. 3 Led´s je Fahrzeug reichen völlig aus. Hier noch um einiges zu Hell, wurden sie später mittels Dekodereinstellung passend gedimmt.



So sehen nun die Inneneinrichtungen der beiden Fahrzeuge aus.

Die Sitze blau, der Boden grau und das Toilettenheißen in dem typischen Holzfunier beige/braun. Ein paar Figuren aus der Bastelkiste, welche sowieso schon defekt waren, paßte ich für die Fahrzeuge an.





Ein paar Fusseln sind auf den Bildern noch zu sehen, die habe ich inzwischen aber entfernt. Ansonsten lasse ich jetzt einfach mal Bilder sprechen. Ich freu mich auf Eure Kommentare. Ich bin jedenfalls so richtig happy mit dem Teil!
















Mit freundlichen Grüßen von der oberen Nahe
Manuel

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RE: Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#3 von Ochsenlok , 06.12.2017 22:09

Hallo Manuel,

den alten VT hast Du schön gesupert, macht einen tollen Eindruck (auch wenn das Modell schon über 50 Jahre alt ist. Alle Achtung! Ein paar Passagiere sitzen allerdings recht gefährlich direkt neben den Getriebezahnrädern .

Nachfolgend noch einer in Echt auf der Pellenzbahn im Bahnhof Niedermendig auf der Strecke von Andernach nach Mayen, ca. 1980.



Gruß
Dennis

 
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RE: Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#4 von volvospeed , 06.12.2017 22:20

Hallo Dennis,

vielen Dank, ich bin auch über das Ergebnis erstaunt und sehr glücklich. Das geht sogar soweit, das ich mir noch einen zulegen möchte, der aber dann ebenfalls umgebaut wird. Mal schauen, ob mir da was passendes über den weg läuft.


Mit freundlichen Grüßen von der oberen Nahe
Manuel

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RE: Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#5 von *3029* , 06.12.2017 23:41

Hallo Manuel,

ich habe gestern Abend schon eine Weile vor deinem Bericht über den 4400 gelesen,
war aber zu müde etwas zu schreiben ...

Zunächst war ich schon "etwas zurückhaltend" wie man diesen originalen GFN Schienenbus,
der durchaus ein Sammlermodell darstellt, total umkrempeln kann - andererseits muss ich aber ehrlich sagen,
dass du, wie du den Zug aufgewertet hast, den "Retter der Nebenbahnen" absolut in sehenswertes Schmuckstück
verwandelt, und das bei einem über 50 Jahre alten Fahrzeug, ich bin echt begeistert ...
Der VT 98 macht sich auf deiner Anlage sehr gut.

Meiner ist dieser, noch mit der alten Nr. 1372/2:



Viele Grüsse

Hermann


 
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RE: Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#6 von volvospeed , 07.12.2017 01:25

Hallo Hermann,

ich muß gestehen, ich habe auch sehr lange mit mir kämpfen müssen, soll ich, soll ich nicht... Und dann dachte ich mir, im Moment werden sie noch relativ günstig gehandelt, so das ich mir demnächst noch 1 oder 2 Exemplare zulegen möchte. Einer soll dabei Original bleiben und ein weiter ist für einen Komplettumbau geplant. Ich muß jetzt aber auch dazu sagen, das ich meine klassische Fleischmann Sammlung komplett aufgegeben habe und nur noch ein paar ausgewählte Modell besitze. Hintergrund ist Platzmangel und der Verkauf meiner Analogbahn. Die paar Modelle die ich jetzt noch habe, sollen opisch Original bleiben ( Lok 25, Anna, Betty schwarz, Betty grün, BR 80 005, V42 rot & grün )aber digitalisiert werden. Hintergrund ist der das ich eine Nebenbahn auf Modulbasis baue, worauf sie dann Auslauf finden können. Die schwarze Betty habe ich soeben digitalisiert. 2 Zusatzschleifer unterm Tender, Dekoder rein, nichts aufregendes und von daher nicht mal einen Umbaubericht wert.


Mit freundlichen Grüßen von der oberen Nahe
Manuel

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RE: Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#7 von koef2 , 07.12.2017 09:24

Hallo zusammen,

als Märklin H0er und etwas Trix Express analog gehe ich fremde und schaue ab und zu auch bei GFN rein.

Toller Bericht und tolle Bilder. Da kann ich noch was von lernen.

Danke dafür

Viele Grüße
KAi
Koef2

 
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RE: Fleischmann 4400 ( VT98 ) mal anders

#8 von JeanLuc7 , 30.12.2017 15:57

Wow, tolle Sache! Ich hätte nicht gedacht, dass man den alten Bus soweit aufpeppen kann. Mit deiner Inneneinrichtung ähnelt er übrigens sehr der neuen Variante; auch dort sind im Motorwagen die Sitze links und rechts sehr schmal geraten, aber ausreichend für eine der einfachen, aber vor allem dünnen "Ungarn"-Figuren. Im übrigen steht der neuen Variante ein Supern auch gut zu Gesicht - Fleischmann hat die gesamte Beleuchtung dort durch ein einziges weißes Minilämpchen und eine Übermenge Lichtleiter erreicht. Mit LED-Streifen in der Kabine und rot/weißen LED's für die Stirn- und Heckbeleuchtung macht das gute Stück weit mehr her.

Eines hat mich aber noch mehr erstaunt. Du schreibst, der Bus ist seit 39 Jahren seit deinem 6. Lebensjahr in deinem Besitz. Ich hatte den Bus damals auch (leider die weiß-blaue Version), aber dessen Bedruckung sah nach jahrelanger Behandlung durch Kinderhände doch sehr mitgenommen aus, weshalb ich ihn später verkauft habe und inzwischen durch einen mit Sound versehehen Bus ersetzt habe. Hast Du deinen neu lackiert? Oder immer extrem vorsichtig behandelt? Die Bedruckung sieht ja neuwertig aus...

Viele Grüße,
Frank/JL7


Digitale Anlage auf 3m x 1,60m. Baureihen 18, 23, 36, 39, 41, 74, 89, E03, E10, E94, V100, V160, V200, VT95, VT58, 614 und ein neuer LINT.

 
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