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Spur II Bing-Storchenbein

#1 von riera , 12.09.2016 17:13

Kaufangebote von frühem Bing Spur II Eisenbahnmaterial bewegen sich preismässig in Höhen, die schwindelerregend sind.
Einem günstig erscheinenden Kaufangebot konnte nicht widerstanden werden.
Da über diese Spurweite im Forum praktisch nichts berichtet wird, soll vorgestellt werden:
Zug, bestehend aus Storchenbeinlok (ohne Tender beim Erwerb) und Bretterwagen.
Der Tender konnte recht zeitaufwändig rekonstruiert werden. (komplette Neufertigung), wobei sich der Farbangleich zum gealterten Lack der Lok schwierig gestaltete und, selbstkritisch gesehen, nicht optimal gelang. Aber das Bessere ist ja immer der Feind des Guten.
Nach Sichtung der Literatur dürfte es sich um das Modell 9643 des Kataloges von 1898 handeln. Dagegen spricht der Dampfdom, der entgegen der Katalogabbildung nicht auf einem "Sockel" montiert ist. Die einfach, gerad verlaufende Form spricht für eine etwas spätere Fertigung.

Katalogauszug 1898 mit Nr. 9643



Die Lok wird beheizt mit dem typischen fünfflammigen Flüssigspiritusbrenner.



Alle mechanischen vernickelten Messing-Teile sind mit 38 durchgestempelt.







Die Maschine kann durch einen gebogenen Kugelhebel im Führerhaus und auch von der Schiene aus umgesteuert werden. Rückwärts ist unter der Kupplung ein vernickeltes Messingprägeschildchen aufgelötet mit dem Schriftzug „PATENT“.








Es soll so sicher darauf hingewiesen werden, dass die patentierte Röhrenschiebersteuerung Nr. 127983 von 1900 vorliegt, denkbar ist aber auch das Patent von 1899 mit der Nummer 118563, das die selbstständige Umschaltung der Maschine durch einen zwischen den Schienen gelegenen Anschlag bewirkt, in der Patentschrift zusätzlich einen Pfeifton beim Umschalten abgebend, hier aber nicht vorliegend.
Das Röhrenschieberpatent:









Das Umsteuerungspatent:










Das verbesserte Folgepatent:







Ein Probelauf der Maschine nach Säuberung mit Pressluft ist erfolgreich, ebenfalls der Umschaltmechanismus.

Zur Rekonstruktion des Tenders wird sich für die 1898er Ausführung entschieden, da eine solche Ausführung in Spurweite I vorliegt und somit die Formung des Tenders gut nachvollzogen werden kann.
Räder und Kupplungen sind noch in der Ersatzteilkiste vorhanden, die Radachsen können leicht auf der Drehbank gefertigt werden.
Als Blechmaterial bietet sich das Blech eines Farb- oder Nitroverdünnerkanisters an,



das wegen der dünnen Beschaffenheit, 0,4 mm, mit einer normalen Haushaltsschere zugeschnitten werden kann.
Nach aufzeichnen der Masse mit dünnem Filzstift auf das Blech Zurechtschneiden des Chassis und des Aufbaus, umbördeln des Tenderaufbaurandes, Einbringen der Rundausschnitte und der Bohrungen mit zusammenlöten der Einzelteile nach durchgeführtem Zurechtbiegen des Chassis und des Tenderaufbaues.
Entfetten des Blechrohlings und Farbfassung mit einem der Maschine angeglichenen Farbton durch Mischung von Revell- bzw. Humbrolfarben. Die Airbrushauftragung erfolgte korrigierend drei Mal, da entweder zu dunkel oder zu hell.
Nach Durchtrocknen aufbringen der Goldbronzelinien.
Abschließend Montage der Kupplungen.



Säubernde Lackbehandlung des Bretterwagens Nr. 7084/2.



Zum Größenvergleich der Spur II Wagen links und die Spur I Ausführung rechts.




Der Kurzzug:



Grüße,
Rie





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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#2 von STUPIDIX , 12.09.2016 17:32

Hallo Riera,

Tolle Lok, danke fürs Zeigen!

würde ein gutes Zugpferdchen für meinen Kaiserzugwaggon äbgeben.

Liebe Grüße
Heinrich

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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#3 von aus_Kurhessen , 12.09.2016 21:21

Hallo Riera,

danke für den schönen, gehaltvollen Bericht und die Fotos. Für mich, der ich auf diesem Gebiet kaum bewandert bin, ist so ein Bericht sehr bereichernd und füllt meine Wissenslücken. Ich finde es auch schön, wie Du die Lok und den Wagen aufbereitet und mit dem Tender ergänzt hast. Waren die unterschiedlichen Kupplungshöhen damals so üblich?

Viele Grüße
Jürgen


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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#4 von riera , 12.09.2016 22:34

Zitat von aus_Kurhessen im Beitrag #3
Hallo Riera,

danke für den schönen, gehaltvollen Bericht und die Fotos. Für mich, der ich auf diesem Gebiet kaum bewandert bin, ist so ein Bericht sehr bereichernd und füllt meine Wissenslücken. Ich finde es auch schön, wie Du die Lok und den Wagen aufbereitet und mit dem Tender ergänzt hast. Waren die unterschiedlichen Kupplungshöhen damals so üblich?

Viele Grüße
Jürgen


Hallo!
@ Jürgen:
Nein, davon ist nicht auszugehen. Bin auch darüber gestolpert. Denke, dass das auf Grund von selbst zu verantwortenden Schwachstellen, Ungenauigkeiten, im Rahmen der Rekonstruktion sind. Es könnte gebessert werden durch erneutes Zerlegen und nachjustieren. Lasse es so, denn damit ist erkennbar, dass es sich beim Tender nicht um ein Original handelt, so ehrlich muss man sein, meine ich.

@ Heinrich:
Bitte ein Bild vom Wagen, das Forum lebt von Bildern, das ist doch die Würze.
Gruß,
Rie

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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#5 von aus_Kurhessen , 12.09.2016 22:40

Hallo Riera,

ich dachte eher an die Kupplung vom Güterwagen, die doch deutlich tiefer liegt als die der Lok. Der Tender wirkt da eher ausgleichend.

Gruß
Jürgen


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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#6 von riera , 13.09.2016 18:58

Das hat mir nun doch keine Ruhe gelassen. Durch eine einfache Biegungskorrektur am Übergang der konkaven Rundung zum Schaft des Hakens konnte ein Gleichstand erreicht werden.
Ich erwarte in den nächsten Wochen einen Leih Spur II Wagen. Mal sehen wie da die Situation ist.



Abschließend zur Verbesserung des Informatiionsgehaltes noch das Vorbild des Storchenbein in I zur Konstruktion des Tenders in II.




Gruß,
Rie

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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#7 von riera , 02.10.2016 16:41

Zitat von aus_Kurhessen im Beitrag #5
Hallo Riera,

ich dachte eher an die Kupplung vom Güterwagen, die doch deutlich tiefer liegt als die der Lok. Der Tender wirkt da eher ausgleichend.

Gruß
Jürgen





Guten Tag Jürgen!
Deine Frage soll nicht unkommentiert im Raum stehen bleiben.
Nachdem der Spur II Gasröhrenwagen meines Freundes zur Fotodokumentation eingetroffen ist, stelle ich fest:
Der Gasröhrenwagen ist Bing original.
Die Räder sind nicht aus Guss, sondern eine spezielle Blechkonstruktion.
(Ein Rad besteht aus zwei Blechspeichenradscheiben, wobei die eine durch Umbördeln des Blechrandes die andere Blechspeichenscheibe umgreift und den Spurkranz so darstellt. Dadurch ist das Rad "quasi hohl".
Auf dem Bilde ist es erkennbar. Bei Ebay wurden vor Kurzem sehr hochpreisig zwei Spur II-Wagen angeboten, bei denen diese Radbauart erkennbar ist.
Versuche das mal bildlich darzustellen:




















Weiterhin ist das Spur II-Rad größer. Spurkranzdurchmesser:42,5 mm, bei Spur I 36 mm. Beim Tender hab ich zu kleine Räder verwendet, nämlich mit 34 mm Spurkranzdurchmesser. Bei den Rad-Laufflächendurchmessern ergeben sich folgende Werte: Spur II: 34 mm, Spur I: 27 mm, Tender: 27,5 mm. Auch der Bretterwagen hat zu kleine Räder.
Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Kupplungshöhen eigentlich alle immer auf gleichem Niveau zu finden sind, abgesehen von einer gewissen Streubreite, die bei der Herstellung wahrscheinlich auftreten kann.
Zum besseren Höhenangleich werde ich mich auf die Suche nach Spur II Rädern begeben.











Eventuell äußert sich mal ein Spur II-Kenner.

Viele Grüße,
Rie

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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#8 von riera , 05.10.2016 15:56

Zitat von riera im Beitrag #7
Zitat von aus_Kurhessen im Beitrag #5
Hallo Riera,

ich dachte eher an die Kupplung vom Güterwagen, die doch deutlich tiefer liegt als die der Lok. Der Tender wirkt da eher ausgleichend.

Gruß
Jürgen





Guten Tag Jürgen!
Deine Frage soll nicht unkommentiert im Raum stehen bleiben.
Nachdem der Spur II Gasröhrenwagen meines Freundes zur Fotodokumentation eingetroffen ist, stelle ich fest:
Der Gasröhrenwagen ist Bing original.
Die Räder sind nicht aus Guss, sondern eine spezielle Blechkonstruktion.
(Ein Rad besteht aus zwei Blechspeichenradscheiben, wobei die eine durch Umbördeln des Blechrandes die andere Blechspeichenscheibe umgreift und den Spurkranz so darstellt. Dadurch ist das Rad "quasi hohl".
Auf dem Bilde ist es erkennbar. Bei Ebay wurden vor Kurzem sehr hochpreisig zwei Spur II-Wagen angeboten, bei denen diese Radbauart erkennbar ist.
Versuche das mal bildlich darzustellen:



















Kollege Starwad hatte im Forum am 20.01.16 einen Spur II -Wagen vorgestellt, bei dem ebenfalls diese Speichenblechräder erkennbar sind.
Uralt Wagen Bing Spur 2 konservieren?
Offenbar wurde diese Radkonstruktion nur bei der Spur II verwendet.





Weiterhin ist das Spur II-Rad größer. Spurkranzdurchmesser:42,5 mm, bei Spur I 36 mm. Beim Tender hab ich zu kleine Räder verwendet, nämlich mit 34 mm Spurkranzdurchmesser. Bei den Rad-Laufflächendurchmessern ergeben sich folgende Werte: Spur II: 34 mm, Spur I: 27 mm, Tender: 27,5 mm. Auch der Bretterwagen hat zu kleine Räder.
Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Kupplungshöhen eigentlich alle immer auf gleichem Niveau zu finden sind, abgesehen von einer gewissen Streubreite, die bei der Herstellung wahrscheinlich auftreten kann.
Zum besseren Höhenangleich werde ich mich auf die Suche nach Spur II Rädern begeben.











Eventuell äußert sich mal ein Spur II-Kenner.

Viele Grüße,
Rie



Hallo!
Endlich passt es. Nachdem kurzfristig Spur II Räder (Guss) eingetroffen sind, konnten Tender und Bretterwagen mit diesen neuen Rädern in den Spur II-Massen umgerüstet werden.
Der Tender:



Und der Bretterwagen:



Beide zusammen:



Beim Kurzzug sind die Kupplungen nun alle auf einer Höhe.










[
wobei auffällt, wie in anderen Beiträgen zu den Signalgrössen angemerkt, die Baugröße der Signale maßstäblich besser zur Spur II passt.
Grüße,
Rie

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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#9 von pete , 05.10.2016 20:04

Hallo Riera,

das Arrangement wirkt tatsächlich sehr stimmig, mit dem Signal zusammen

Gruß
Peter


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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#10 von joha30 , 05.10.2016 20:41

Der Hinweis auf die ausgestanzten Blechspeichenräder ist mir neu. OK, Spur II gehört nicht unbedingt zum Jagdrevier. Letztlich hat wohl ein weiteres Werkzeug - die Stanze - für diesen Effekt ausgereicht. Ich nehme an dass die Speichenseite wie auch das Blech der inneren Seite (wirkt dicker?!) mit dem gleichen Werkzeug gestanzt wurde. Es erstaunt aber, dass diese Technologie nocht weiter verfolgt wurde. Mir ist dies nur von Doll Ende der 30er Jahre bekannt, die solchermaßen gestanzte Blechräder in Spur 0 - aber nur auf der Speichenseite - verwendet haben.


Viele Grüße, JoHa

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RE: Spur II Bing-Storchenbein

#11 von aus_Kurhessen , 05.10.2016 20:57

Hallo Riera,

so wirkt das Züglein stimmig. Phantastisch!

Gruß
Jürgen


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