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Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#1 von riera , 23.05.2013 14:48

Selbstverständlich wurden, dem realen Vorbild nachempfunden, auch von Bing die Laternen für das Eisenbahnspiel des Kindes angeboten.
Es folgt ein Querschnitt der Laternenvielfalt, für Rüböl-, Kerzen-, Schwach- und "Starkstrom"betrieb eingerichtet, auch nicht beleuchtbare Attrappen fanden sich an einigen Gebäuden, so an der Fahrkartenausgabe 14085/I von 1912 und den Erfrischungs- und Zeitungskiosken.
Die Bildserie ist fürs Auge zum Durchblättern gedacht, deshalb keine Katalognummern.























































Laternenattrappen an der Fahrkartenausgabe und an den Kiosken











Last not least, ein Märklinschmankerl


Nachtrag

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zuletzt bearbeitet 09.10.2013 | Top

RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#2 von kablech , 23.05.2013 19:01

Das sind ja wahre Schönheiten. Da kann man direkt ins Schwärmen kommen....

Gruß an alle Blechbahner
Karl


Spur 0 hauptsächlich Fahrer, ein bißchen Sammler
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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#3 von Dampfmaschinenjoe , 24.05.2013 10:34

Da geht einem Blechspielzeugfreund ja im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht auf ! Dieser Stil wurde in seiner fast schon barocken Formensprache nur von BING hervorgebracht, alle anderen Hersteller hatten eher sachliche Formgebung im Sinn.
immer Hp1
Joe

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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#4 von Ralfbert , 24.05.2013 12:07

Zitat von Dampfmaschinenjoe im Beitrag #3
Da geht einem Blechspielzeugfreund ja im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht auf ! Dieser Stil wurde in seiner fast schon barocken Formensprache nur von BING hervorgebracht, alle anderen Hersteller hatten eher sachliche Formgebung im Sinn.
immer Hp1
Joe


Hallo

Sehr schön formuliert, ich bin auch ganz begeister, wirklich schoene Lampen und Laternen.

gruesse, Ralf

 
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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#5 von JensB , 24.05.2013 14:25

Das sind ja richtige kleine Kunstwerke.
Toll!


Viele Grüße
Jens
~~~~~~~~~
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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#6 von caepsele , 26.05.2013 21:53

Lieber Riera,
wieder einmal schöne Bilder die Du uns zeigst! Hoffe wir sehen auch ein paar Exemplare beim 1. "Bingianer"-Treffen? Die Zeit ist ja schliesslich überfällig im Schatten der "Märklinisten" zu stehen...
Frage zu den Lampen: das Öl wird in dne (kleinen) Sockel gefüllt? Das erwähnte "Rüböl" ist noch erhältlich? Mein Drogist (er hat mich sehr leidenschaftlich in Sachen Kaiseröl beraten) war etwas sprachlos hinsichtlich diesem Rüböls.
Grüße aus Mannheim
Harry


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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#7 von riera , 27.05.2013 09:39

Guten Morgen!
Dachte, dass wir dieses Thema bereits abgehandelt haben. S.u.
Interessant, dass bei der Straßen-Laterne 10490 von 1913 der Betriebsstoff nach abschrauben des Leuchtkörpers in die Laternensäule eingebracht wird. Ca. 1-2 ml.
Siehe Bild.
Wüsste nicht, wo Rüböl noch zu erwerben wäre. Deshalb mit Biodiesel von der Tankstelle versuchen.
Gruß,
Rie



"#16 von riera , 22.01.2013 16:36
Einen hohen Stellenwert bei den BING-Modellbahnspielwaren räumt die Firma Bing dem Signal- Beleuchtungswesen in der Zeit des Beginns des 20sten Jahrhunderts ein. Es wird in den Katalogen aus der Zeit bei den Signalen und anderen Beleuchtungseinrichtungen vor der Elektifizierung dieser Nachtsignalgebung , die ab ca.1909 nachgewiesen werden kann, bei den Signalen bei der Beleuchtung lediglich auf „Laternen zum Brennen“ , „Bogenlaternen zum Brennen mit Öl“, und bei Bestellnummer 9956/111, 1902, „Wasserkrahn, Signallaterne für Petroleumbeleuchtung eingerichtet“ hingewiesen. Gustav Reder weist in seinem Buch „Mit Uhrwerk Dampf und Strom in dem Kapitel XI. „Romantik am Schienenstrang“ auf die kleinen Öllaternen aus Blech hin, die mit „ ihren winzigen Dochten ein kümmerliches Licht gaben und einen üblen Geruch verbreiteten.“
Verschiedene Begriffe bei den Laternen, Kandelabern und Brennstoffen dieser Zeit tauchen auf. Erklärungen:
Öllampen: Sind Vorrichtungen zur Beleuchtung mittels der bei gewöhnlicher Temperatur flüssiger Öle. Im Altertum tierische Fette und Pflanzenöle.(1)
Kaiseröl: raffiniertes Erdöl, Petroleum, aus welchen die niedrig siedenden, die Feuergefährlichkeit des Oels bedingenden Anteile vollkommener als aus der gewöhnlichen Handelsware ( Standard oil bzw. Kerosin für russische Oele) entfernt sind. (1)
Petroleum: auch Erdöl, Berg- oder Steinöl genannt, im engeren Sinn was zwischen 150 Grad und 300 Grad destilliert. (1,2)
Rüböl: Fettes Öl aus den Samen verschiedner Brassicaarten, namentlich von Brassica naptus L. (Raps-,Repsöl), und Brassica rapa (Rübsenöl)
In frischem Zustand bräunlichgelb, ohne Geruch und Geschmack, sehr dickflüssig, erstarrt zwischen -2 Grad und – 10Grad, wird bei 0 Grad wieder flüssig. Es wird durch Auspressen oder Extraktion gewonnen und dient als Brennöl und Schmiermittel zum Einfetten von Leder (Kernöl)und Wolle. (1)
Literatur:
1. Otto Lueger, Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Siebter und achter Band, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Leipzig, 1904.
2. A. F. Hollemann, F.Richter, Lehrbuch der organischen Chemie, Walter de Gruyter & Co, Berlin 1961
Ein chemisch verändertes Produkt des Rapsöls ist der BIO-Dieseltreibstoff, Werbebegriff für Fettsäuremethylester, der in Deutschland vor allem aus Rapsöl durch chemische Umsetzung mit Methanol erzeugt wird (Rapsölmethylester (RME). RME ist ein Kraftstoff aus landwirtschaftlicher Produktion. (LB-Lohmann Lexikon)
Da dieses Produkt dem Rüböl sehr nahe kommt und es an der Tankstelle erworben werden kann, hab ich mal mit diesem Öl 2 Signale, eine Feine Bogenlampe und eine Straßenlaterne von Bing betrieben.
Zunächst Reinigen der Laternen, Einziehen jeweils eines dünnen Baumwolldochtes, gewonnen aus einfachem Stickgarn in das Doch führende, 2mm starke Messingröhrchen,
Auffüllen des kleinen Tanks mit 1ml Biodieselöl, Anzünden.
Während der Größenentwicklung der Flamme dann Kürzen, also Zurückschneiden der Dochtanteile bei brennender Flamme auf die tolerierte Größe der erwünschten Flammengröße.
So konnte ein Betrieb über gut 5 Minuten erzielt werden, ohne dass das System entflammte.
Ich folgere daraus, dass ein gut saugender Baumwolldocht Voraussetzung ist, die nötige Brennstoffmenge nachzutransportieren, eben so viel, wie bei der „zurechtgeschnittenen“ Flamme verbrennt. Trotz dieser Maßnahmen kam es zu einer zunehmenden Erwärmung des Systems, dass zu Folge hatte, dass die Flamme doch wieder an Größe mit Erhitzung der Umgebung, Messingröhrchen, Tank und Laternengehäuse, zunahm. Die Dochtspitze verkohlt dann, wenn mehr Brennstoff verbrennt als nach diffundieren kann. Wie bei einer Kerze, der das Paraffin ausgeht.
Einen Versuch mit Petroleum hab ich nicht gestartet, da wegen des niedrigen Siedepunktes die Flamme schnell außer Kontrolle geraten kann.
Unklar ist weiterhin, wie „die Alten“ einen längeren Betrieb verantwortungsvoll durchführen konnten.
Hänge mal die gefertigten Bilder ohne weiteren Kommentar an.
Bitte mich nicht steinigen, es war halt nur ein Versuch, der zeigt, dass ein langfristiger Betrieb der Laternen mit „Öl, Kaiseröl, Rüb- oder Rapsöl“, ohne dem System zu schaden, nicht möglich erscheint."

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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#8 von caepsele , 28.05.2013 12:53

Hallo Rie,
die damalige Diskussion war mir noch bekannt. Haben ja auch wg. Dochtmaterial uns ausgetauscht.
Mich hatte eben das spezielle "Rüböl" interessiert.

Reines Bio-Diesel (RME) habe ich in unserer Gegend seit Jahren nicht mehr gesehen. Das wird wohl nun, wie beim Benzin das Ethanol, dem Mineralölbasierenden Kraftstoff untergemischt.
Übrigens ist RME ein hervorragendes Reinigungsmittel und Lacklöser...

Gruß
Harry

Zitat von riera im Beitrag #7
Guten Morgen!
Dachte, dass wir dieses Thema bereits abgehandelt haben. S.u.
Interessant, dass bei der Straßen-Laterne 10490 von 1913 der Betriebsstoff nach abschrauben des Leuchtkörpers in die Laternensäule eingebracht wird. Ca. 1-2 ml.
Siehe Bild.
Wüsste nicht, wo Rüböl noch zu erwerben wäre. Deshalb mit Biodiesel von der Tankstelle versuchen.
Gruß,
Rie



"#16 von riera , 22.01.2013 16:36
Einen hohen Stellenwert bei den BING-Modellbahnspielwaren räumt die Firma Bing dem Signal- Beleuchtungswesen in der Zeit des Beginns des 20sten Jahrhunderts ein. Es wird in den Katalogen aus der Zeit bei den Signalen und anderen Beleuchtungseinrichtungen vor der Elektifizierung dieser Nachtsignalgebung , die ab ca.1909 nachgewiesen werden kann, bei den Signalen bei der Beleuchtung lediglich auf „Laternen zum Brennen“ , „Bogenlaternen zum Brennen mit Öl“, und bei Bestellnummer 9956/111, 1902, „Wasserkrahn, Signallaterne für Petroleumbeleuchtung eingerichtet“ hingewiesen. Gustav Reder weist in seinem Buch „Mit Uhrwerk Dampf und Strom in dem Kapitel XI. „Romantik am Schienenstrang“ auf die kleinen Öllaternen aus Blech hin, die mit „ ihren winzigen Dochten ein kümmerliches Licht gaben und einen üblen Geruch verbreiteten.“
Verschiedene Begriffe bei den Laternen, Kandelabern und Brennstoffen dieser Zeit tauchen auf. Erklärungen:
Öllampen: Sind Vorrichtungen zur Beleuchtung mittels der bei gewöhnlicher Temperatur flüssiger Öle. Im Altertum tierische Fette und Pflanzenöle.(1)
Kaiseröl: raffiniertes Erdöl, Petroleum, aus welchen die niedrig siedenden, die Feuergefährlichkeit des Oels bedingenden Anteile vollkommener als aus der gewöhnlichen Handelsware ( Standard oil bzw. Kerosin für russische Oele) entfernt sind. (1)
Petroleum: auch Erdöl, Berg- oder Steinöl genannt, im engeren Sinn was zwischen 150 Grad und 300 Grad destilliert. (1,2)
Rüböl: Fettes Öl aus den Samen verschiedner Brassicaarten, namentlich von Brassica naptus L. (Raps-,Repsöl), und Brassica rapa (Rübsenöl)
In frischem Zustand bräunlichgelb, ohne Geruch und Geschmack, sehr dickflüssig, erstarrt zwischen -2 Grad und – 10Grad, wird bei 0 Grad wieder flüssig. Es wird durch Auspressen oder Extraktion gewonnen und dient als Brennöl und Schmiermittel zum Einfetten von Leder (Kernöl)und Wolle. (1)
Literatur:
1. Otto Lueger, Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Siebter und achter Band, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Leipzig, 1904.
2. A. F. Hollemann, F.Richter, Lehrbuch der organischen Chemie, Walter de Gruyter & Co, Berlin 1961
Ein chemisch verändertes Produkt des Rapsöls ist der BIO-Dieseltreibstoff, Werbebegriff für Fettsäuremethylester, der in Deutschland vor allem aus Rapsöl durch chemische Umsetzung mit Methanol erzeugt wird (Rapsölmethylester (RME). RME ist ein Kraftstoff aus landwirtschaftlicher Produktion. (LB-Lohmann Lexikon)
Da dieses Produkt dem Rüböl sehr nahe kommt und es an der Tankstelle erworben werden kann, hab ich mal mit diesem Öl 2 Signale, eine Feine Bogenlampe und eine Straßenlaterne von Bing betrieben.
Zunächst Reinigen der Laternen, Einziehen jeweils eines dünnen Baumwolldochtes, gewonnen aus einfachem Stickgarn in das Doch führende, 2mm starke Messingröhrchen,
Auffüllen des kleinen Tanks mit 1ml Biodieselöl, Anzünden.
Während der Größenentwicklung der Flamme dann Kürzen, also Zurückschneiden der Dochtanteile bei brennender Flamme auf die tolerierte Größe der erwünschten Flammengröße.
So konnte ein Betrieb über gut 5 Minuten erzielt werden, ohne dass das System entflammte.
Ich folgere daraus, dass ein gut saugender Baumwolldocht Voraussetzung ist, die nötige Brennstoffmenge nachzutransportieren, eben so viel, wie bei der „zurechtgeschnittenen“ Flamme verbrennt. Trotz dieser Maßnahmen kam es zu einer zunehmenden Erwärmung des Systems, dass zu Folge hatte, dass die Flamme doch wieder an Größe mit Erhitzung der Umgebung, Messingröhrchen, Tank und Laternengehäuse, zunahm. Die Dochtspitze verkohlt dann, wenn mehr Brennstoff verbrennt als nach diffundieren kann. Wie bei einer Kerze, der das Paraffin ausgeht.
Einen Versuch mit Petroleum hab ich nicht gestartet, da wegen des niedrigen Siedepunktes die Flamme schnell außer Kontrolle geraten kann.
Unklar ist weiterhin, wie „die Alten“ einen längeren Betrieb verantwortungsvoll durchführen konnten.
Hänge mal die gefertigten Bilder ohne weiteren Kommentar an.
Bitte mich nicht steinigen, es war halt nur ein Versuch, der zeigt, dass ein langfristiger Betrieb der Laternen mit „Öl, Kaiseröl, Rüb- oder Rapsöl“, ohne dem System zu schaden, nicht möglich erscheint."


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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#9 von riera , 29.05.2013 10:42

Zitat von caepsele im Beitrag #8
Hallo Rie,
die damalige Diskussion war mir noch bekannt. Haben ja auch wg. Dochtmaterial uns ausgetauscht.
Mich hatte eben das spezielle "Rüböl" interessiert.

Reines Bio-Diesel (RME) habe ich in unserer Gegend seit Jahren nicht mehr gesehen. Das wird wohl nun, wie beim Benzin das Ethanol, dem Mineralölbasierenden Kraftstoff untergemischt.
Übrigens ist RME ein hervorragendes Reinigungsmittel und Lacklöser...

Gruß
Harry
Guten Morgen!
Das ist mir peinlich!
Tatsächlich, der Biodieselttank an meiner Tankstelle im Ort ist verschwunden.
Bin gerade dabei, mal die Läutewerke von Bing zusammenzustellen.
Ansonsten wünsche ich eine gute Zeit und etwas wärmenden Sonnenschein.
Grüße,
Rie

Zitat von riera im Beitrag #7
Guten Morgen!
Dachte, dass wir dieses Thema bereits abgehandelt haben. S.u.
Interessant, dass bei der Straßen-Laterne 10490 von 1913 der Betriebsstoff nach abschrauben des Leuchtkörpers in die Laternensäule eingebracht wird. Ca. 1-2 ml.
Siehe Bild.
Wüsste nicht, wo Rüböl noch zu erwerben wäre. Deshalb mit Biodiesel von der Tankstelle versuchen.
Gruß,
Rie



"#16 von riera , 22.01.2013 16:36
Einen hohen Stellenwert bei den BING-Modellbahnspielwaren räumt die Firma Bing dem Signal- Beleuchtungswesen in der Zeit des Beginns des 20sten Jahrhunderts ein. Es wird in den Katalogen aus der Zeit bei den Signalen und anderen Beleuchtungseinrichtungen vor der Elektifizierung dieser Nachtsignalgebung , die ab ca.1909 nachgewiesen werden kann, bei den Signalen bei der Beleuchtung lediglich auf „Laternen zum Brennen“ , „Bogenlaternen zum Brennen mit Öl“, und bei Bestellnummer 9956/111, 1902, „Wasserkrahn, Signallaterne für Petroleumbeleuchtung eingerichtet“ hingewiesen. Gustav Reder weist in seinem Buch „Mit Uhrwerk Dampf und Strom in dem Kapitel XI. „Romantik am Schienenstrang“ auf die kleinen Öllaternen aus Blech hin, die mit „ ihren winzigen Dochten ein kümmerliches Licht gaben und einen üblen Geruch verbreiteten.“
Verschiedene Begriffe bei den Laternen, Kandelabern und Brennstoffen dieser Zeit tauchen auf. Erklärungen:
Öllampen: Sind Vorrichtungen zur Beleuchtung mittels der bei gewöhnlicher Temperatur flüssiger Öle. Im Altertum tierische Fette und Pflanzenöle.(1)
Kaiseröl: raffiniertes Erdöl, Petroleum, aus welchen die niedrig siedenden, die Feuergefährlichkeit des Oels bedingenden Anteile vollkommener als aus der gewöhnlichen Handelsware ( Standard oil bzw. Kerosin für russische Oele) entfernt sind. (1)
Petroleum: auch Erdöl, Berg- oder Steinöl genannt, im engeren Sinn was zwischen 150 Grad und 300 Grad destilliert. (1,2)
Rüböl: Fettes Öl aus den Samen verschiedner Brassicaarten, namentlich von Brassica naptus L. (Raps-,Repsöl), und Brassica rapa (Rübsenöl)
In frischem Zustand bräunlichgelb, ohne Geruch und Geschmack, sehr dickflüssig, erstarrt zwischen -2 Grad und – 10Grad, wird bei 0 Grad wieder flüssig. Es wird durch Auspressen oder Extraktion gewonnen und dient als Brennöl und Schmiermittel zum Einfetten von Leder (Kernöl)und Wolle. (1)
Literatur:
1. Otto Lueger, Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Siebter und achter Band, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart und Leipzig, 1904.
2. A. F. Hollemann, F.Richter, Lehrbuch der organischen Chemie, Walter de Gruyter & Co, Berlin 1961
Ein chemisch verändertes Produkt des Rapsöls ist der BIO-Dieseltreibstoff, Werbebegriff für Fettsäuremethylester, der in Deutschland vor allem aus Rapsöl durch chemische Umsetzung mit Methanol erzeugt wird (Rapsölmethylester (RME). RME ist ein Kraftstoff aus landwirtschaftlicher Produktion. (LB-Lohmann Lexikon)
Da dieses Produkt dem Rüböl sehr nahe kommt und es an der Tankstelle erworben werden kann, hab ich mal mit diesem Öl 2 Signale, eine Feine Bogenlampe und eine Straßenlaterne von Bing betrieben.
Zunächst Reinigen der Laternen, Einziehen jeweils eines dünnen Baumwolldochtes, gewonnen aus einfachem Stickgarn in das Doch führende, 2mm starke Messingröhrchen,
Auffüllen des kleinen Tanks mit 1ml Biodieselöl, Anzünden.
Während der Größenentwicklung der Flamme dann Kürzen, also Zurückschneiden der Dochtanteile bei brennender Flamme auf die tolerierte Größe der erwünschten Flammengröße.
So konnte ein Betrieb über gut 5 Minuten erzielt werden, ohne dass das System entflammte.
Ich folgere daraus, dass ein gut saugender Baumwolldocht Voraussetzung ist, die nötige Brennstoffmenge nachzutransportieren, eben so viel, wie bei der „zurechtgeschnittenen“ Flamme verbrennt. Trotz dieser Maßnahmen kam es zu einer zunehmenden Erwärmung des Systems, dass zu Folge hatte, dass die Flamme doch wieder an Größe mit Erhitzung der Umgebung, Messingröhrchen, Tank und Laternengehäuse, zunahm. Die Dochtspitze verkohlt dann, wenn mehr Brennstoff verbrennt als nach diffundieren kann. Wie bei einer Kerze, der das Paraffin ausgeht.
Einen Versuch mit Petroleum hab ich nicht gestartet, da wegen des niedrigen Siedepunktes die Flamme schnell außer Kontrolle geraten kann.
Unklar ist weiterhin, wie „die Alten“ einen längeren Betrieb verantwortungsvoll durchführen konnten.
Hänge mal die gefertigten Bilder ohne weiteren Kommentar an.
Bitte mich nicht steinigen, es war halt nur ein Versuch, der zeigt, dass ein langfristiger Betrieb der Laternen mit „Öl, Kaiseröl, Rüb- oder Rapsöl“, ohne dem System zu schaden, nicht möglich erscheint."


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RE: Betriebstechnische Raritäten, Bings Laternen

#10 von Ypsilon , 30.05.2013 20:56

Durch die Steuererhöhung auf Biodiesel (RME) seit 1.1.2013 von 18 auf 45 Cent pro Liter ist es billiger, nicht mehr heimisches Rapsöl beizumischen, sondern Öl aus Übersee, z.B. Palmöl. Insider sprechen davon, dass derzeit nur 20% der diesjährigen Rapsernte verkauft ist. Mal sehen, wann das Thema in der Presse ankommt.
Ich arbeite im Linienbusverkehr. Wir hatten bis Dezember mmer noch Unternehmen, welche 100% RME vom heimischen Bauern fuhren. Das ist vorbei. Deswegen werden aber die Kartoffeln aber auch nicht billiger.


Gruß von Ypsilon

 
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